Villa Badoer

Die Villa Badoer liegt in der Ortsmitte von Fratta Polesine, nicht weit von der Staatsstraße Nr. 434 „Transpolesana“, die von Verona in Richtung Legnago und Rovigo verläuft, etwa 15 Kilometer von der Autobahnzahlstelle der Autobahn A13 Padua-Bologna (insgesamt 90 km von Vicenza). Palladio erhält den Auftrag vom Venezianer Edelmann Francesco Badoer als Krönung der Trockenlegung eines Teils der Ebene. Das Gebäude steht an der Stätte eines mittelalterlichen Schlosses und erbt die Feierlichkeit des Ansitzes der herrschenden Familie: Die Villa wurde wahrscheinlich auf dem bestehenden Fundament gebaut und erhebt sich majestätisch inmitten eines monumentalen Rahmens, der aus sehr eleganten halbkreisförmigen Dienstgebäuden besteht, welche die übrigen Nebengebäude verdecken. Der spektakuläre Effekt wird noch durch das Wasser des Kanals erhöht, der zu der Zeit bis Venedig und Ferrara schiffbar war und der den Hauptplatz des Dorfes von der Villa trennt. Die Fassade hat einen Vorderteil ähnlich einem Tempel, mit einem ionischen Säulengang und einem dreieckigen Tympanum, dem spektakuläre Treppen auf mehreren Seiten vorausgehen: Die an der Vorderfront führt in den Hof, die an den Seiten verbinden das Wohnhaus mit den Dienstgebäuden. Ein interessantes Merkmal ist der Kontrast zwischen der ionischen Ordnung am Hauptgebäude und der tuskanischen Ordnung an den übrigen Gebäuden. Im Inneren sind die Räume nach Palladios üblichem Schema angeordnet, mit dem Untergeschoss für die Diensträume, dem Piano nobile für die Herrenräume, und dem Kornspeicher. Charakteristisch ist die offene Halle, wie man sie in den Palästen Venedigs sieht. Bemerkenswert sind die Fresken von Giallo Fiorentino aus der selben Zeit, mit allegorischen Figuren, deren Bedeutung manchmal unklar ist. Das Besondere an der Villa Badoer ist sicherlich die kurvenförmig angeordneten Dienstgebäude, die bei mehreren Entwürfen Palladios zu sehen sind, die aber einzig in Fratta auch errichtet wurden.
Das Schema der Villa, von der römischen Architektur beeinflusst (z.B. vom Augustusforum), eher symbolisch als praktisch, und es entsteht der Eindruck eines herzlichen Willkommens mit offenen Armen. Ein stilistischer Vergleich kann mit der nahen Villa dei Vescovi in Luvigliano bei Falconetto angestellt werden. Die Villa gehört heute der Provinz Rovigo, und die Räume in den beiden Dienstgebäuden werden zu einem wichtigen Museum für Archäologie umgebaut.